Drogenanbau

 

Mohn ist eine sehr genügsame Pflanze und benötigt nur sehr geringe Wassermengen. Zudem reicht eine vergleichsweise geringe Produktion aus, um die ausgefallene Jahresproduktion etwa an Tomaten oder Zwiebeln auszugleichen. Auch die Vermarktung ist einfacher: Müssen größere Mengen Gemüse relativ frisch und deshalb schnell auf die Märkte gelangen, kann eine Bauernfamilie ihre gesamte Opiumproduktion auf dem Rücken weniger Esel oder Kamele problemlos auch an den zerstörten Straßen vorbei zur Grenze oder zu den Heroinlabors  schmuggeln. Mit kleinen, leicht zu transportierenden Mengen an Roh-Opium können die Bauern somit weit mehr verdienen als mit ihren traditionellen landwirtschaftlichen Erzeugnissen, deren Herstellung ohnehin immer schwieriger oder ganz unmöglich geworden ist. Afghanistan baut weltweit am meisten Schlafmohn an.

 

 

Viele Staaten Nordafrikas sowie des Nahen und Mittleren Ostens sind Teil des globalen Drogenproblems. Während Marokko, Ägypten, Libanon, Afghanistan und Pakistan zu den Produzenten von Haschisch oder Opium gehören, sind Staaten wie Algerien, Libyen, Sudan, Jordanien, Irak, Türkei wichtige Transitstaaten. Vor allem in der Türkei und im Libanon werden darüber hinaus importierte Rohprodukte weiterverarbeitet (Opium zu Heroin).

 

 

Kokain ist der Klassiker unter den illegalen Drogen aus Lateinamerika, z.B. Kolumbien: Der Kokainanbau ist nach Schätzungen von Experten mit 30% am Bruttosozialprodukt beteiligt. Mit einer Anbaufläche von ca.110 000 ha ist Kolumbien der zweitgrößte Kokainproduzent der Welt. Oder in Peru  soll die Guerilla in guten Jahren bis zu 50 Millionen Dollar am Kokainanbau verdient haben. Oft ist der Kokainanbau die einzige Möglichkeit der Landbevölkerung, ihre Kinder zu ernähren. Verdienen tun daran aber die mächtigen Bosse der Drogenkartelle. Die Kokabauern sind  in erster Linie Bauern, nicht Drogenhändler. Die Welt der Drogenhändler ist die Welt des Betrugs und schneller Bereicherung. Die Kokabauern aber sind zum überwiegenden Teil Flüchtlinge, arme Menschen, die den ganzen Tag arbeiten, um zu überleben. Auf der Suche nach Ernährungsmöglichkeiten für die Familie ziehen die Bauern in Regionen, wo es keine Märkte, keine Wege, keine staatlichen Institutionen gibt. Was können sie schon verdienen, wenn sie dort Bananen oder Yucca pflanzen? Die Kosten für Anbau und Transport sind zu hoch, es bringt einfach nichts ein. Die Bauern erhalten keine materiellen Anreize, weder Kredite noch technische Hilfe. So entscheiden sie sich für den Koka-Anbau. Die Zwischenhändler kommen zu den Bauern, um das Koka abzuholen. Der Staat kommt nur, um ihre Felder mit Gift zu besprühen.