Scientology

Hubbard: "Wir haben Dich lieber tot als unfähig."
aus "Funktionsfähigkeit der Scientology erhalten", HCOP 1965 

Lafayette Ronald Hubbard (* 13. März 1911 Tilden, Nebraska/USA; † 24. Januar 1986 San Luis Obispo, Kalifornien/USA) schrieb zunächst Pulp-Fiction, Science-Fiction, dann zunehmend Selbsthilfe-Romane und Gründung der Scientology-Sekte als "Religion", um über die Religionsfreiheit die Scientology-Methoden dem wissenschaftlichen Diskurs auszuweichen und der juristischen Beurteilung zu entgehen..

Hubberts teilweise durchaus beachtliche Science-Fiction-Phantasien wurden zunehmend durch Help-yourself-Psychologie geprägt, der die wissenschaftliche Anerkennung versagt blieb, wodurch sich seine Schriften zunehmend in okkulte Antipathie gegen jegliche Psychologie außer der eigenen verirrten. Schlussendlich wendete er seine ursprünglich literarischen Ideen in pseudoreligiöse  Dogmen und Mythen und fand in solchem Bestreben Wegbegleiter, für die "einzige Wahrheit", für "den wahren Weg", der laut Hubbard ohne Abweichungen befolgt werden müsse. Zunächst für kurzlebige Vereine, 1953 erfolgte die Anmeldung es Markenzeichens: "Church of Scientology".

1. Die "Missionierung"

Scientology erhebt den Anspruch "Religion" + "Wissenschaft" zu sein. Obwohl der Scientology durch intensive Propaganda und Verwendung eines Kruzifix-Symbols gelang, dass fast jeder Bundesbürger von der Scientology als "Kirche" hörte, hat kaum jemand eine Vorstellung davon, was den Scientologen "heilig" sein könnte, denn trotz gewaltiger Textmasse fehlen konkrete Aussagen oder sind von kaum merkfähiger Banalität.
Nachgeschaut heißt es beispielsweise unter dem Titel "Wir glauben, ..., dass der Mensch im Grunde gut ist,  dass er danach strebt zu überleben, dass er seine Gesundheit nicht zerstören will". - Mit solchen Sprüchen wird eingelullt und im Tempo der individuellen Intellekt-Ermüdung der zentrale "Glaubenssatz" vermittelt, dass einzig die "Scientology den Weg weist, den Menschen und seinen Geist zu rehabilitieren". Ansonsten halt ...? 

Scientology verspricht, den Menschen in die "totale Freiheit" zu tragen und bietet als Einstieg einen kostenlosen Persönlichkeitstest mit 200 Fragen, der angeblich Stärken finden soll, die Befragten aber vor allem in ihren Schwächen ausforscht. Hier setzt das "Therapieangebot" in Form von schrittweise teurer werdenden Psychokursen ein, die in einem verschachtelten System zu mehr persönlicher Freiheit und Macht führen sollen, von "Verunreinigungen säubern"  sollen, aber solange neuen Reinigungsbedarf feststellt, bis der Patient selbst als Reiniger für die Scientology in Aktion treten kann:

Der menschliche Geist soll durch "Auditing" (lat. audire = jemand, der zuhört) "rehabilitiert" werden. Immer wieder wird der Begriff  "Rehabilitierung" untergejubelt - ein Basisbegriff des Scientology-Systems.

"Ausgebildete Auditoren" beten dabei die Sprüche von Hubbard herunter, bis man "erkennen" könne, "was man ist und wo man ist"
Als besonderer Clou kommt dabei ein Elektrometer zum Einsatz, um  Bereiche geistigen Leids oder geistiger Verstimmung herauszufinden, die einer Erreichung höherer Bewusstseinsstufen im Wege stünden.  
Das Ding sieht aus wie die Paneele eines vergrößerten Super-Nintendo. Man nehme die eine Elektrode die linke Hand, die andere in die rechte Hand. Dann wird man etwas gefragt und die veränderten Erregungszustände beim Denken lösen veränderte Spannungen aus, wie sie auch von "Lügendetektoren" gemessen werden, aber über den Tatsache der Erregung hinaus keine wissenschaftlich bestätigte Interpretation zulassen. Doch die Scientologen lassen sich durch keinen Vorbehalt beirren und interpretieren die Bestätigung dafür herbei, dass der Kunde einen weiteren Kurs besuchen und bezahlen müsse, worin die einzige "Wahrheit" liegt, an die es sich für "Auditoren" zu "glauben" lohnt: €€.

Zitat"Auditing legt den reaktiven Verstand Schritt für Schritt offen. Die Person wird sich der Inhaltsbilder bewusst und kann deren negativen Einfluss auf ihre Person auflösen. Wenn das stattfindet, dann hat man einen neuen Seinszustand erreicht, der in Scientology Clear genannt wird. Man hat seine ursprüngliche und fundamentale Persönlichkeit, seine künstlerischen Fähigkeiten, seine persönliche Kraft, seinen individuellen Charakter, seine angeborene Güte und Anständigkeit wiederhergestellt." 


Weniger den Betroffenen werden die "Inhaltsbilder" bewusst, als vielmehr denjenigen, von denen sie nach und nach bis in die intimsten Bereiche des Lebens durchleuchtet werden - "Aufarbeitung traumatischer Ereignisse".
Den "Auditoren" wächst die Kontrolle über den zu "Rehabilitierenden" zu. Der informellen und emotionalen Ausbeutung folgt die materielle Ausbeutung, allerdings per Schnellballsystem, so dass immer auch welche die Möglichkeit bekommen, ihrerseits an Novizen und unteren Ebenen zu verdienen. Aber viele verlieren einfach, was aus ihnen herausholbar ist, nicht wenige verlieren alles. Und schon zuvor die sozialen Bindungen, wenn sie der Sekte im Wege standen.

2. Die Genesis von Scientology

Die Scientology möchte "mindestens so alt wie die Menschheit" sein und "trotzdem vollständig neu."

Hintergrund dieser Aussage ist kurzgefasst folgendes Szenario:

"The head of the Galactic Confederation (76 planets, founded 95,000,000 yrs ago)
solved overpopulation by mass implanting."

Fremde Wesen hatten vor 95.000.000 Jahren ein Überbevölkerungsproblem, kamen zur Erde und machten die Erdbewohner "unrein".  Darunter leidet der Mensch noch heute und muss "rehabilitiert" werden. Vor allem dieser "Xenu", der eine Art Teufel ist, aber eben nur in Hubbards Märchenwelt und keiner Weltgeschichte, denn er wird darin seinem Anspruch als "Religionsstifter" nicht gerecht, weil er zu erläutern verabsäumte, wie sich ihm diese Genesis offenbart hat. An sicherlich vielem interessiert, hatte er mit astronomischen, erdgeschichtlichen und menschheitsgeschichtlichen Studien in wissenschaftlicher Tiefe wenig am Hut, um seine "Vulkane" und "Xenu" "gefunden" zu haben, was "vor 95.000.000 Jahren" ein Problem gewesen sein mag, sondern es nur "erfunden" hat. 

Der beachtliche Unterschied zwischen Finden und Erfinden sollte den Scientologen wie allen Religiösen und Atheisten, allen Politikern, Historikern, einfach jedem gegenwärtig sein:  Geschichten lassen sich erfinden. Manche sind gut, manche schlechter, aber wenn Geschichte erfunden wird, dann ist es allemal Lüge. - Erfinden lässt sich nur Zukunft, aber sie kann kaum dadurch besser werden, wenn sie auf Lügen gründen. 

Hubbard schien es zu berücksichtigen und kokettierte damit, oft nur "wilde" und unmaßgebliche "Hubbard-Meinung" zu äußern, die nach den Methoden der Scientology "als Wissenschaft" bearbeitet werden könne oder eben auch nicht.

Hubbard übernahm also für seine Märchenstunden keine Verantwortung, was ihm seitens seiner Anhänger als vorbildliche Bescheidenheit interpretiert wird, aber nicht ist, denn es ist eher Prinzip jeglicher Verantwortungslosigkeit, die Verantwortung für eine Idee der Idee anzulasten. Solch Methode ist moralphilosophischallenfalls für experimentelles Brainstorming haltbar, nicht aber für die Lüge, aus Hubbards "
Xenu"-Story "Menschheitsgeschichte" zu machen. 

Und trotzdem ist die "Xenu"-Story das, woran Scientologen der höheren Ränge entweder "glauben" oder uns nur vorgeben zu "glauben", um unter dem Banner der Religionsfreiheit ihre Praktiken der juristischen Beurteilung zu entziehen, denn die Mutation von Hubbards Science Fiction zu Hubbards "Religion" dürften ihnen bekannt genug sein, um religiöses Glauben daran zu hindern. Aber es gibt auch, dass Sinn absurder Schwüre und "Glaubensbekenntnisse" ist, sich untereinander der Loyalität zu vergewissern, der buchstäblich bedingungslosen Loyalität hinsichtlich der eigentlichen Sektenziele: Gemeinsam Macht über Menschen zu erlangen und die persönliche Karriere ausschließlich im Verbund dieser Clique anzustreben. Der "Glaube" in den höheren Scientology-Rängen dürfte eine Mixtur aus allem sein, vorwiegend bewusste Lüge mit einer Reserve-Portion Selbstbetrug.

Diese Unaufrichtigkeit ist keine gesunde Basis für eine Gemeinschaft und förderte das Misstrauen innerhalb der Scientology-Sekte, die Angst vor plaudernden Aussteigern. Der Verunsicherung versuchte die Scientology mit zunehmend autoritären und konspirativen Prinzipien und Strukturen beizukommen und entwickelte ein militärähnliches Rangsystem. So nannte sich Hubbard "Admiral", als er 1967 mit dem Projekt "Sea Organization" das Machtzentrum der Scientology auf den eigenen Ozeandampfer "Freewinds" verlagerte und bis 1975 im Pazifik schipperte. Aber auch das trug nicht zur Verbesserung des Sektenklimas bei, sondern provozierte die interne Kritik an Hubbards autokratischem Führungsstil, was schließlich zu dessen  Auch das verhalf nicht zu mehr 

über die Weltmeere , fernab von den "OTs" = . 

Spezifische Gefährlichkeit

Bei allem Unfug ihrer Inhalte ist die Scientology-Sekte in ihrer spezifischen Gefährlichkeit nicht zu unterschätzen, da ihre Zielgruppe im Unterschied zu vielen anderen Sekten, religiösen oder politischen Vereinigungen nicht die Armen oder Bildungsminderbemittelten sind, sondern Leute, die sich dem Mittelstand zurechnen, zu Höherem berufen sehen, sich aber benachteiligt fühlen und deshalb zu mehr Skrupellosigkeit berechtigt glauben - halt zwecks "Rehabilitierung": 

Die "Macht der Scientology und der Scientologen" zu mehren, tatsächlich die "Weltherrschaft" für die Scientology zu erobern, in der alle Regierungen nur noch Marionetten von Scientologen sind, das ist die Zielbeschreibung, wie sie den Fortgeschrittenen gepredigt wird und jedem von ihnen auf diesem "Weg" persönlichen Vorteil zum Nachteil der persönlicher Selbstbestimmung anderer verspricht.

sven200801


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  Bücherliste   

Quellen

1. Erfahrungsberichte von Aussteigern
2. WebSite der  "Church of Scientology"  USA
3.
www.verfassungsschutz.de  über die Scientology-Sekte

4. Buchtipp:
"Psycho-Sekten", Die Praktiken der Seelenfänger,
F.Nordhausen, L.v.Billerbeck Berlin 1997